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Truk Lagoon:

Panzer auf DeckDer größte Wracktauchplatz der Welt

Es gibt 1.000 Gründe, um als Taucher nach Palau zu fliegen - der unglaublichen Vielfalt wegen. Es gibt genau einen Grund, Yap zu besuchen: Mantas! Und es gibt 70 Gründe, Mühe, Zeit und Geld aufzuwenden, noch für einen weiteren Stopp im Pazifik zu verweilen: Chuuk (Truk Lagoon).

Noch eine Linkskurve, dann setzt die Maschine der Continental Airlines zum Landeanflug auf Chuuk International Airport an. Der Blick aus dem Fenster zeigt ein aus der Ferne paradiesisches Atoll: ein breiter, teils bewohnter, teils bewaldeter Felsenring, eingebettet in das Blau des Pazifiks, auf der Innenseite der türkisgrüne Klecks der Lagune.
Wer schon eine Weile durch die Inselwelt Mikronesiens reist, hat viele Gerüchte über Chuuk gehört, die alle mehr oder weniger richtig und falsch sind. Es sei an dieser Stelle bereits erwähnt: jeder kann hier tauchen, man kann, muss aber nicht DEKO tauchen und etwas anderes als die Wracks der Lagune zu erkunden, kann man hier tatsächlich nicht machen.
Aus der Luft erscheint mir das Atoll seltsam vertraut, wie vielen Deutschen meines Alters. Denn wir, die als Kinder mit Begeisterung am Fernseher Jacques-Yves Cousteau auf seinen Tauchreisen in den 70er/80er Jahren begleiteten, waren ja alle schon einmal da ... . Der französische Forscher und Tauchpionier hat viele der mehr als 70 Wracks der Lagune aufgespürt und kartografiert.
Als die Calypso 1968 in der Lagune das erste mal vor Anker lag, gehörte das Atoll noch zum Pazifischen UN-Treuhandgebietes der USA, erst 1979 bildete Chuuk, zusammen mit Kosrae, Pohnpei und Yap die Föderierten Staaten von Mikronesien.

Nippo MaruDer für uns Taucher interessanteste Teil der Geschichte Truks (so hiess Chuuk bis 1990), ist wohl die Japanische Besatzungszeit zwischen den Weltkriegen, die jäh am 17. und 18. Februar durch die Amerikanische Kriegsmarine in der Operation Hailstone beendet wurde: Die Flugzeuge mehrerer Flugzeugträger fielen mit ihren Waffen über die in der Lagune vor Anker liegenden 70 Schiffe her. Sie warfen mehr als 400 Tonnen Bomben und Torpedos ab und produzierten diese grosse Anzahl Wracks.
Das Wasser ist warm und klar. Ich folge dem Bojenseil, das scheinbar ins Nichts der Tiefe führt, irgendwo da unten zeichnet sich der diffuser Umriss der Nippo Maru ab. Und der ist gross. Sehr gross. Als ich die ersten Aufbauten erreiche, ist die 25 m Marke bereits überschritten, der Bug des Schiffes endet im Schwarz, ca. 100 m unter mir irgendwo am Grund der Lagune. Der ehemalige Frachter ist wild-romantisch bewachsen mit Anemonen und Korallen, Fischschwärme führen unsere Gruppe durch das ehemalige Führerhaus des Schiffes. Der Maschinenraum, dann ein Frachtraum mit zur Montage auf Chuuk bestimmter Flugzeugteile und schon sind wir auf knapp 40 m. Wir folgen dem Guide in den Frachtraum, die Tauchlampen hüllen Kriegsgerät wie Gegenstände des täglichen Bedarfs in ein grünlich- milchiges Licht, man sieht aber immer einen „Ausgang“, sei es eine Frachtluke oder ein durch Torpedos gerissenes Loch in der Bordwand. Für klaustrophobische Gefühle gibt es kaum Anlass. Man taucht hinein und wieder hinaus. Hinein und wieder hinaus. Führungsseile oder ähnliche Orientierungshilfen sind nicht vorhanden, weil man sie nicht braucht. Und wir sind innerhalb eines Atolls. Nahezu keine Strömung.

Es wird Zeit umzukehren. Man taucht viel und meist auch tief auf Chuuk. Also sollte man seinen Computer im Auge haben und frühzeitig den Aufstieg beginnen. Dabei muss man aber nicht hektisch werden, unter dem Tauchboot, auf 5 m Tiefe, hängt eine volle Flasche für die besonders Durstigen.

Kanone auf HeckEs ist symptomatisch für sehr viele Tauchplätze auf Chuuk, dass Schiffe entweder wegen ihrer schieren Grösse oder der Tiefe nur zum Teil betaucht werden können. Was die Faszination der Tauchgänge kein bisschen trübt. Ebenso wenig wie die Tatsache, dass die Wracks mehrheitlich gar keine Kriegsschiffe sind.
Lange vor dem Angriff auf Pearl Harbor 1941 berücksichtigten die Japaner den geplanten Kriegseinsatz im zivilen Schiffsbau. Panzerung und Bewaffnung wurden nur noch in bereits vorhandene Vorrichtungen montiert. Genau diese Art Schiff stellt die überwiegende Mehrheit der Wracks von Truck Lagoon. Wären die Kanonen nicht, würde man die Schiffe halten, wofür sie ursprünglich gebaut wurden. Wer mit Schlachtschiffen, Zerstörern oder ähnlichem rechnet, wird enttäuscht. Lediglich ein U-Boot, die I-169, liegt als Vertreter echter Kriegsschiffe in 40 m Tiefe.
Fujikawa Maru Wer den Daheimgebliebenen die unglaubliche Grösse mancher Wracks vermitteln möchte, sollte seinen Dive Buddy neben der Schiffsschraube der Fujikawa Maru in 40 Meter Tiefe fotografieren. Sehr beeindruckend.

Trotzdem findet man natürlich jede Menge Kriegsgerät, von scharfer Munition bis hin zu auf Deck abgestellten Panzern. Im bestmöglichem Zustand für Waffen dieser Art: dicht und bunt überwuchert mit allem, was die Flora und Fauna des Pazifik hergibt! Daneben Gegenstände des japanischen Alltags von vor 60 Jahren: Schreibmaschinen, Reisschalen, Sandalen.
Die Dive Guides neigen dazu, auch menschliche Schädel- und Oberschenkelknochen "auszulegen", sie unterlassen dies aber, wenn man sie darum bittet.

Truk Stop HotelWir legen vor unserer Bleibe, dem "Truk Stop Hotel", an. Das Gelände beherbergt neben dem halbwegs berühmten Restaurant auch die unter Tauchern bekannte Bar "Hard Wreck Café & Bar". Man darf nicht vergessen, wo wir uns befinden: mitten im Pazifik umgeben von nichts - verglichen mit dem desolaten Zustand der restlichen Insel, kann man Qualität und Zustand des Truk Stop als gut bezeichnen. Fünf-Sterne-Niveau darf und wird hier niemand erwarten.
Einen guten Eindruck hinterlässt das "Truk Lagoon Dive Center", das sich ebenfalls auf dem Gelände befindet. Judy und Eamon betrieben im Winter 2006 das Center, ihre Briefings waren ausführlich, das Personal aufmerksam und hilfsbereit, die Tauchgänge gut geführt. Nitrox und Trimix wurden angeboten.

Ganz anderes das Leben und Erscheinungsbild der Insel. Viel zu sehen gibt es eh nicht, Überreste einer Festung, noch eine Kanone, eine alte, durchaus sehenswerte Leuchtfeueranlage mit Turm, die heute aus Schule dient, das war's. Manchmal muss man aus unerfindlichen Gründen Wegegeld bezahlen, die Begleiter des Hotels regeln das meist schnell. Alles kein Problem, bei einer Arbeitslosenquote von rund 80% (!) muss eben jeder der ca. 100.000 Einwohner sehen, wo er bleibt.
Dass die Insel insgesamt wie eine grosse Müllhalde wirkt, rechtfertigt das allerdings nicht. Wenn das Motorboot kaputt geht, verrottet es eben langsam in der Lagune, sobald der Wagen nicht mehr funktioniert, landet er daneben. Es ist nur eine Frage der Zeit, dann dümpelt auch der tägliche Hausmüll zwischen Boot und Auto. Dieses Bild wiederholt sich fast überall auf Chuuk. Was recht unverständlich ist, denn ausser der Lagune mit seinen grandiosen Wracks, gibt es keinen Grund, das Atoll zu besuchen. Und andere Einnahmequellen als der Tourismus gibt es kaum.
Es gibt für Taucher, die Wracks lieben, keinen Ort auf der Welt, der mit Chuuk oder Truk Lagoon vergleichbar wäre. Damit ist alles gesagt. Ich komme wieder.
Info:
Wetter: Lufttemperatur tags 29-32° C, nachts 24° C, viel Regen, hohe Luftfeuchtigkeit.
Wassertemperatur 27- 29° C, wenig Strömung, kaum Wellen.
Es wird dringend empfohlen, vor der Abreise Mitglied beim Divers Alert Network (DAN) zu werden, da auf der Tauchbasis entweder ein enstprechender Nachweis erbracht werden muss oder vor Ort abgeschlossen werden muss. Eine Dekokammer auf der Insel ist vorhanden.
(Text: ch, Bilder: ch)

Hotel & Tauchbasis:
Truk Stop Hotel & Dive Center
P.O. Box 546, Chuuk State, 96942, Federated States of Micronesia
Tel +691-330-4232; Fax +691-330-2286
www.trukstop.com